Deutscher Mittelstand: Ratgeber in der Flüchtlingsfrage

Mein Beitrag im Unternehmermagazin “Der Mittelstand”, Dezember (6) 2015/Januar (1) 2016/ S. 18 f.:

http://www.bvmw.de/fileadmin/download/Bilder/Der-MITTELSTAND/2015/06-2015/Der-Mittelstand_06-2015.pdf

Die Flüchtlingsfrage ist zu einer essentiellen Herausforderung der Gegenwart geworden, die von Tag zu Tag dringlicher wird. Auf Deutschland kommen Kosten von bis zu 900 Milliarden Euro zu. Die Angst in der Bevölkerung wächst. Gerade deshalb ist es wichtig, dass der Mittelstand als Rückgrat der deutschen Wirtschaft auch hier Hilfestellung leistet und bei den politischen Entscheidungen einbezogen wird.

 

Bereits im September stellte der BVMW in einem 10-Punkte-Plan klar, worauf es bei der Flüchtlingsfrage ankommt. Führende Ökonomen wie Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des BVMW, oder Daniel Gros, Direktor des Brüsseler Centre for European Policy Studies (CEPS), warnen vor massiven Steuererhöhungen, da es der Mehrzahl der ankommenden Flüchtlinge an den erforderlichen Fähigkeiten für den deutschen Arbeitsmarkt fehle. Höchstens jeder zehnte Flüchtling sei arbeitsmarkt- oder ausbildungstauglich, musste Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles eingestehen.

 

Deutschland ist bei Personal und Kosten auf nur 40.000 Flüchtlinge pro Jahr eingestellt. Das Bundesamt für Integration wollte 1.000 zusätzliche Mitarbeiter einstellen, eingestellt wurden bisher noch keine 50. Im März 2015 lagen aber schon 260.000 nicht bearbeitete Asylanträge vor, zum Jahresende dürfte es eine halbe Million sein. Allein durch die unbearbeiteten Asylanträge sind Kosten in Milliardenhöhe entstanden. Von 190.000 Abzuschiebenden sind gerade einmal 14.000 außer Landes. Prof. Raffelhüschen rechnet insgesamt mit Kosten von 900 Milliarden Euro in den nächsten sechs Jahren – rund ein Drittel der deutschen Wirtschaftsleistung. So viel müsste Deutschland jetzt zurückstellen, um die Kosten der Flüchtlingskrise zu decken. Die anfängliche Willkommenkultur war grenzenlos naiv, wie Mittelstandspräsident Mario Ohoven als einer der ersten Experten erkannte. Er warnte frühzeitig davor, dass unser System kollabiere. Flüchtlinge von heute könnten höchstens die Fachkräfte von übermorgen sein, der syrische Arzt sei die Ausnahme, nicht die Regel.

Der BVMW stützt sich auf eine eigene repräsentative Umfrage, an der mehr als 3000 Unternehmer teilgenommen haben. Der Mittelstand sieht darin die Beschäftigungsentwicklung in einem schlechten Licht, bis Ende 2017 erwarten die Befragten eine deutliche Abkühlung des Arbeitsmarktes. Mehr als 64 Prozent gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote steigen wird. Der unternehmerische Mittelstand will ganz konkret seinen Beitrag leisten. Wichtig für eine erfolgreiche Integration der Flüchtlinge in Gesellschaft und Arbeitsmarkt ist vor allem die Sprachkompetenz, noch mehr als die fachliche Qualifikation. Unternehmen können die wirtschaftliche Integration nach Ansicht der Befragten vor allem durch die Bereitsstellung von Ausbildungsplätzen (fast 62 Prozent), Arbeitsplätzen (rund 56 Prozent) und unbezahlten Praktikumsplätzen (mehr als 47 Prozent) unterstützen.

Die Asylanträge müssen schneller bearbeitet werden. Es liegt ein Behördenversagen vor, wenn die Bearbeitung in der Schweiz 48 Stunden dauert, in den Niederlanden eine Woche, bei uns aber im Schnitt 5,4 Monate. Und wir brauchen viel schneller Klarheit darüber, welche Qualifikation ein Flüchtling mitbringt. Denn die Flüchtlinge mit Aussicht auf Bleiberecht müssen so schnell wie möglich in den Arbeitsmarkt integriert werden. Grundsätzlich haben wir Bedarf: Jeder zweite Mittelständler findet keine Fachkräfte.

 

 

 

(…)

siehe auch den 10-Punkte-Plan vom September 2015:

http://www.bvmw.de/fileadmin/download/Bilder/News/Container_Startseite/10-punkte-plan_fluechtlinge.pdf