Estland: Digitaler Trendsetter Europas

Mein Beitrag im Unternehmermagazin “Der Mittelstand”, Dezember 2015/Januar 2016: S. 30:

http://www.bvmw.de/fileadmin/download/Bilder/Der-MITTELSTAND/2015/06-2015/Der-Mittelstand_06-2015.pdf

Die Wirtschaftsmacht Deutschland ist noch nicht in der digitalen Welt angekommen. Dabei gibt es die digitale Zukunft Europas längst, wir müssen nur über die Grenzen schauen: Estland, von der Fläche so groß wie Niedersachsen, ist mit nur 1,3 Millionen Einwohnern digitaler Trendsetter Europas.

Reisen Deutsche oder andere Europäer in das dynamische Estland, stellen sie erst einmal kritische Fragen, schütteln verblüfft den Kopf oder verweisen auf die Kleinheit des Landes. Wer sich hingegen mit Esten unterhält, hört durchweg Positives. Weltbank und Weltwirtschaftsforum stufen Estland regelmäßig als eines der Länder ein, in denen sich Geschäfte am einfachsten und effizientesten abwickeln lassen.

Die Sim-Karte als Personalausweis? Ohne Bargeld zahlen? Parken ohne Parkzettel? Parlamentswahlen per e-Voting? Firmengründung fast ebenso schnell online, ohne Notar und andere Hürden? Alles kein Problem. Weit mehr als hundert staatliche Dienstleistungen können Esten mit dem elektronischen Ausweis in Anspruch nehmen. Schon seit 2000 hat dort jeder Bürger einen verfassungsmäßigen Anspruch auf das Internet. Kostenloses Wlan gibt es fast überall. In der Hauptstadt Tallinn zeigt das Smartphone überall neue Verbindungen. Hanse und Hightech also: Wlan gibt es in allen Straßenbahnen und Bussen, selbst an Haltestellen und auf dem Land.  Die Regierung arbeitet seit Jahren ganz selbstverständlich und unaufgeregt papierlos. Mit einer persönlichen ID-Nummer können sich Bürger bei Behörden, bei der Bank, beim Schließen von Verträgen und beim Arzt ausweisen. Auch Ausländer können in Estland als „E-Resident“ auf das System, die x-road zugreifen und etwa ein Bankkonto eröffnen. Diese Erleichterungen sollen einen Boom an Firmengründungen auslösen.

 

 

„Hätte das Internet eine Postanschrift, läge diese wahrscheinlich in Estland“, sagte treffend der estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves, der deutsche und estnische Unternehmen unlängst beim 1. Deutsch-Estnischen Wirtschaftsdialog in Berlin begrüßte.

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