Extremismus in Österreich (von rechts, links und islamistisch). Ein Fachbeitrag

Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) ist nach 2000 wieder an der Macht. Wurde damit der Bock zum Gärtner gemacht? Wie ist der Extremismus in Österreich generell einzustufen, wo sich auch neue Phänomene wie Reichsbürger und Identitäre herausgebildet haben? Wie ist es um den Linksextremismus und den islamistischen Fundamentalismus, generell um das politische Klima bestellt? 
 
Zu diesem Thema habe ich für den 30. Jahrgangs des renommierten “Jahrbuch Extremismus & Demokratie” einen Beitrag verfasst: 
 
Florian Hartleb: Länderporträt Österreich, in: Uwe Backes/Alexander Gallus/Eckhard Jesse/Tom Thieme (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, Nomos: Baden-Baden, 30. Jg, 2018, S. 209-227.
 
Im Ergebnis halte ich fest: 
 
“Österreich ist ein Land, das ähnlich wie Deutschland eine stabile Demokratie ist, aber dennoch über Erfahrungswerte mit allen Formen von Extremismus verfügt. Der Flüchtlingszuzug und die Diskussion darüber hat für eine Dynamisierung gesorgt, deren Folgen noch nicht anzusehen sind. Bei verschiedenen neuen Phänomenen des nichtparteiförmigen Extremismus lassen sich Parallelen zu Deutschland feststellen. Das gilt für die von Frankreich ausgehende Identitäre Bewegung, die sich danach in Österreich entfaltete und schließlich nach Deutschland überschwappte, ebenso wie für Reichsideologen. In beiden Fällen gab es zuletzt Hausdurchsuchungen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Hier existieren zahlreiche Verbindungen nach Deutschland. Das gilt auch für islamistische Terroristen, wie der Fall Lorenz K. zeigt, ebenso für die antifaschistische Szene. Die österreichischen Burschenschaften sind, ganz anders als in Deutschland, einerseits gesellschaftlich breit verankert und innerhalb der FPÖ eine wichtige Säule. Andererseits in ihre extremistische Intensität deutlich stärker ausgeprägt als bei ihren deutschen Pendants. Hier lässt sich immer wieder eine viel diskutierte Scharnierfunktion zum Extremismus nachweisen. Für die AfD ist die FPÖ Vorbild, in ihrem Radikalismus, aber auch in der Wählersprache, die sich mittlerweile längst in einer medialen Parallelwelt, angereichert mit Echokammern und Fake-news, vollzieht.” 
 
Backes / Gallus / Jesse / Thieme | Jahrbuch Extremismus & Demokratie (E & D) | Cover
 

NEUERSCHEINUNG   

Backes / Gallus / Jesse / Thieme

Jahrbuch Extremismus & Demokratie (E & D)

30. Jahrgang 2018

Herausgegeben von Prof. Dr. Uwe BackesProf. Dr. Alexander GallusProf. Dr. Eckhard JesseProf. Dr. Tom Thieme

2018, 532 S., Gebunden, 
ISBN 978-3-8487-5542-4

Das Jahrbuch „Extremismus & Demokratie“ fördert die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Problemkreis des politischen Extremismus in seinen verschiedenen Ausprägungen. Es versteht sich als Diskussionsforum, Nachschlagewerk und Orientierungshilfe zugleich. Der 30. Band dokumentiert, kommentiert und analysiert umfassend die Entwicklung im Berichtsjahr 2017.

Neben Analysen, Daten und Dokumenten findet sich eine Literaturschau der wichtigsten Publikationen zu Fragen von Extremismus und Demokratie in Geschichte und Gegenwart. Aktuelle Schwerpunkte bilden u.a. Populismus und Semi-Extremismus, die Vereinsverbotspraxis in Deutschland, der NSU im Vergleich zur RAF, die „Identitären“ im Netz und in Aktion, linksextremistische Splitterparteien sowie das Ausmaß der Gefährdung durch Rückkehrer aus Syrien und dem Irak.