Rezension meines Buchs “Die Stunde der Populisten” in der Zeitschrift “Bürger im Staat”

Rezension meines Buchs durch Siegfried Schiele, “Bürger im Staat”, 2/2017

Siegfried Schiele, geb. 1939, ist ein deutscher Politikdidaktiker, fungierte lange Jahre als Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg. 

Populismus im Aufwind Florian Hartleb: Die Stunde der Populisten. Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts. 2017. 240 Seiten, 16,90 Euro.

Der Begriff „Populismus“ ist in aller Munde. Fast könnte man von einer Überschwemmung reden. Doch bringt diese Überflutung keine Klärung, sondern trägt eher zur Verwirrung bei. Da ist es ein Segen, dass Florian Hartleb ein Buch geschrieben hat, das die Verwirrung auflösen kann. Wer die 240 Seiten gelesen hat, der weiß Bescheid, was Populismus ist und welche Fragen sich daraus für unsere Demokratie ergeben. Der Autor nimmt die gesamte europäische Entwicklung in den Blick und berücksichtigt auch die Entwicklung in den USA unter Donald Trump. Das Buch ist sehr aktuell, weil Florian Hartleb das Geschehen bis Anfang 2017 darstellt. Die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten betrachtet der Autor als eine Art Zeitenwende. Trumps Slogan „Make America Great Again“ gilt auch einigen Staaten weltweit als Marschroute für ihr politisches Handeln im eigenen Land. Viele „Wutbürger“ in den USA hatten und haben eine Sehnsucht nach dem offenbar „starken Mann“ und nach einem einfachen Weltbild, das aus Guten und Bösen besteht. So gerät Politik leicht zur irrationalen Schlammschlacht. Dennoch baut Hartleb ein Stück weit auf das in den USA bewährte System von checks and balances, das offenbar auch Trump nicht aus den Angeln heben kann. Zum Glück! Verständlich klärt der Autor darüber auf, wann wir von Populismus reden können. Er beschreibt sodann vor allem die Situation in Europa und geht auch auf den Brexit ein. Europa wird von den Populisten madig gemacht und nicht mehr als unverzichtbarer Friedensgarant wahrgenommen. Die Flüchtlingskrise hat den Populisten Aufwind gegeben. Ausführlich und differenziert beschreibt Florian Hartleb die Situation in Deutschland. Nach seiner Einschätzung haben viele Leute das Gefühl, mit dem eigenen Land gehe es bergab. Ihnen erscheint dann die Alternative für Deutschland (AfD) als ein Retter aus der Misere. Es ist so schwer, mit den Populisten und ihren Anhängern umzugehen, weil eine rationale Auseinandersetzung nicht möglich ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die traditionellen Parteien nach Hartleb einen dramatischen Bedeutungsverlust hinnehmen mussten. Den Autor treiben die Gefahren um, die der Populismus mit sich bringt, weil er sie als Gefährdung unserer Demokratie ansieht. Deswegen stellt er Gegenstrategien dar, die den Siegeszug der Populisten stoppen könnten. In diesem Zusammenhang weist er vor allem auch auf die Bedeutung der Sprache hin und er fordert u. a. niveauvolle, verständliche politische Debatten. Besonderen Wert legt er auch auf den weiteren Auf- und Ausbau politischer Bildung. Eine solide politische Bildung ist die beste Prävention gegen populistische Umtriebe. Florian Hartleb räumt jedoch ein, dass es nicht „den Stein des Weisen“ gebe, um mit dem Populismus fertig zu werden. Dennoch möchte er Mut machen, die Werte unserer Demokratie immer wieder darzustellen und zu beleben. Es ist wunderbar, dass dieses Buch zur rechten Zeit erschienen ist. Jetzt haben wir eine solide Grundlage, uns auf breiter Ebene mit dem Populismus zu beschäftigen und zu überlegen, wie wir ihm am wirkungsvollsten begegnen können. Es ist ein Buch, das auch in unseren Schulen Beachtung finden sollte.

Siegfried Schiele

Link: 

http://www.buergerimstaat.de/2_17/bundestagswahl_2017.pdf